Wann geht es zurück in die Schule? 

Liebe Leserinnen, liebe Leser, guten Morgen,  
wie viele Ausgaben dieses Newsletters werden sich wohl noch um das Coronavirus drehen? 

Nach jetzigem Stand wird uns das Thema wohl noch eine ganze Weile begleiten, auch wenn die Politik sich in der vergangenen Woche darauf geeinigt hat, die Schulen schrittweise wieder öffnen zu wollen. Wie das genau ablaufen soll, regelt mal wieder jedes Bundesland und teilweise sogar jede Kommune für sich ("Das ist los").

Noch weniger klar ist, wie es für die kleineren Kinder weitergeht, die derzeit eine Kita oder einen Kindergarten besuchen. Einige Bundesländer, unter anderem Berlin, haben angekündigt, diese Einrichtungen erst nach den Sommerferien wieder vollständig öffnen zu wollen. Bei vielen Eltern stößt das auf Unverständnis ("Das ist los").

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei Ihnen, den Leserinnen und Lesern von "Kleine Pause", bedanken: Sie haben uns in den vergangenen Wochen immer wieder von ihren Erfahrungen mit Online-Unterricht, dem Lehren und Lernen zu Hause berichtet. Diese Rückmeldungen sind für uns in der Redaktion sehr wertvoll, weil wir so ein besseres Gespür dafür bekommen, was Lehrkräfte, Eltern und Bildungs-Experten in diesem Land bewegt. Eine kleine Auswahl der Anregungen haben wir Ihnen anonymisiert unter "Debatte der Woche" zusammengestellt. Machen Sie gern weiter so! Wir freuen uns über Post an kleinepause@newsletter.spiegel.de.

Kommen Sie gut durch diese Woche und vor allem: Bleiben Sie gesund!  

Das Team von "Kleine Pause" wünscht alles Gute 
Silke Fokken, Armin Himmelrath, Miriam Olbrisch

Illustration zum Abonnieren des Bildungs-Newsletters "Kleine Pause"
„Kleine Pause“ – der Bildungs-News­letter vom SPIEGEL
News, Debatten und neue Erkennt­nisse aus der Wissen­schaft: Hier erfahren Sie, was Deutschlands Schulen bewegt. Bleiben sie bei Bildungs­themen immer auf dem Laufenden. Erfahren Sie früher von neuen Ange­boten auf SPIEGEL Ed.

Das ist los

1. Die große Rückführung 

Am vergangenen Mittwoch entschied Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen mit den Ministerpräsidenten der Länder, dass Deutschlands Schulen offiziell ab dem 4. Mai wieder öffnen sollen. Man habe sich um eine "einheitliche Lösung" bemüht, kommentierten mehrere Minister im Anschluss. Tatsächlich kann von Einheitlichkeit keine Rede sein: Berlin und Brandenburg starten in diesen Tagen mit ihren Abiturprüfungen, als letztes Land will Bayern Mitte Mai wieder in den regulären Betrieb starten. Eine Übersicht, die laufend aktualisiert wird, finden Sie hier.

2. Immer wieder Streit ums Abitur 

In dieser Woche starten die ersten Bundesländer mit ihren Abiturprüfungen - trotz teils massiven Protests aus der Schülerschaft. In mehreren Onlinepetitionen machen sich Schulabgänger seit Wochen für ein sogenanntes Durchschnitts-Abitur stark, das nur aufgrund der Vornoten erteilt wird. Bisher zeigen sich die Kultusministerinnen und Kultusminister davon allerdings unbeeindruckt.

Immer wieder fällt in diesem Zusammenhang der Begriff "Not-Abitur". Warum diese Bezeichnung irreführend ist, hat der Historiker Robert Rauh im "Tagesspiegel" erklärt.

3. "Abitur der Tränen"

Nicht nur die Abschlussprüfungen bereiten derzeit vielen Schülerinnen und Schülern Kummer - egal ob sie sich nun auf das Abitur, den ersten oder den mittleren Schulabschluss vorbereiten. Denn der Abschlussjahrgang 2020 wird voraussichtlich auch viele andere Meilensteine nicht erleben, die für andere selbstverständlich sind: eine feierliche Entlassungszeremonie, der Abiball, den letzten Schultag mit den Klassenkameraden begießen. Wie sich die Schüler dabei fühlen, haben die Abiturientinnen und Abiturienten des Evangelischen Gymnasiums in Marienberg in einem Gastbeitrag im "Westerwald-Kurier" beschrieben.  

4. Und was ist mit den Kleinen? 

Ja, dies ist ein Schul-Newsletter. Und trotzdem beschäftigt viele Eltern gerade die Frage, wie es mit Kindern weitergeht, die noch keine Schule besuchen. Wann die Kitas nach der Corona-Zeit wieder öffnen dürfen, ist zu diesem Zeitpunkt noch sehr unklar. Experten befürchten, jüngeren Kindern könnte es besonders schwerfallen, Anstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Viele Eltern fühlen sich von der Politik alleingelassen

Gut zu wissen

Wie kommen Lehrkräfte mit den Corona-bedingten Schulschließungen zurecht? Zusammen mit dem Bildungs-Start-up App Camps und dem Online-Fortbildungsinstitut Fobizz hat SPIEGEL Ed rund 1700 Lehrkräfte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt, wie sie ihre Klassen derzeit unterrichten und welche Herausforderungen für die digitale Bildung sie sehen. Mehr als 90 Prozent der Beteiligten gaben an, aktuell in regelmäßigem Austausch mit ihren Schülerinnen und Schülern zu stehen - allerdings bietet nur rund ein Drittel täglich Fernunterricht an. Alle Ergebnisse der Umfrage finden Sie hier.

Debatte der Woche

Wie läufts? 

Wie klappt es mit dem Lehren und Lernen im Homeoffice? Dieser Beitrag stammt in dieser Woche nicht aus der Redaktion, sondern von Ihnen, den Leserinnen und Lesern. Die Beiträge wurden gekürzt.

"Nachdem die Schulen sehr plötzlich geschlossen wurden, habe ich zunächst Unruhe empfunden. Weil ich nicht wusste, wie es weitergeht, weil ich meine SchülerInnen nicht mehr persönlich sprechen und verabschieden konnte und ganz besonders, weil ich mich über Menschen geärgert habe, die die Regeln nicht einhielten. Dann fiel mir auf, wie die Menschen begannen, sich in der Entfernung nah zu sein, sich beizustehen, sich gegenseitig Mut zu machen. Dies hat mich auch zu einem Video für unsere Schülerinnen und Schüler inspiriert."
Lehrerin an einer Sekundarschule in Nordrhein-Westfalen

"Wir haben das Glück, dass die Schülerinnen und Schüler größtenteils über Internet und digitale Endgeräte verfügen. So konnte durch das Einrichten eines digitalen Klassenraums in der ersten Woche mit dem Online-Unterricht begonnen werden. Jeden Morgen sorgte ich mit einem Gruß und einem Rätsel für 'Normalität'. Jeweils ein Schüler war für den 'Witz des Tages' zuständig, und während des Arbeitstages gab ich Tipps und sprach Ermunterungen aus. Wir nahmen Videos auf (unsere Sportkollegin sogar in einem eigens eingerichteten YouTube-Kanal), verschickten Sprachnachrichten, Bastelanleitungen und Elternbriefe. Aber wir stießen auch an Grenzen. Manche Eltern hatten keinen Drucker, andere benötigten die Endgeräte selbst zum Arbeiten, sodass die Familien sich erst einmal organisieren mussten."
Lehrerin an einer Grundschule in Nordrhein-Westfalen

"Was mir fehlt, ist ein kritischer Blick auf die Lehrerschaft. Für die Lehrerinnen und Lehrer entfällt die gesamte Unterrichtspräsenz - bei einer Vollzeitstelle sind dies in meinem Bundesland rund 25 Stunden, wenn ich richtig informiert bin. In der Lehrerschaft unserer beiden jüngeren Kinder sind sehr viele, von denen wir in drei Wochen nur eine bis zwei Nachrichten mit Arbeitsaufträgen bekommen haben. Alle Lehrerinnen und Lehrer bieten an, Rückfragen per E-Mail zu beantworten und tun dies auch. Ausnahmslos gilt aber: Wir haben keine Telefonnummer, keine Sprechzeiten, keinerlei Kommunikation per Video/Webinar."
Mutter von drei Kindern, Baden-Württemberg

Welche Erfahrungen haben Sie in den vergangenen Wochen gemacht? Schreiben Sie uns an bildung@spiegel.de.

Neues von SPIEGEL Ed 

Medienpädagogische Fellowships gestartet

Mit vier Stipendiaten ist am 1. April der erste medienpädagogische Fellowship-Jahrgang gestartet. Im Auftrag von SPIEGEL Ed und der Schwarzkopf-Stiftung entwickeln die vier Fellows in den nächsten Monaten Ansätze, Inhalte und Methoden für die Vermittlung von Medienkompetenz an Schülerinnen und Schüler ab Klasse 8. Hier stellen wir die vier Stipendiaten und ihre inhaltlichen Schwerpunkte vor.

Ideen, Anregungen, Feedback? Wir freuen uns über Post an kleinepause@newsletter.spiegel.de.