Irgendwie in den Sommer retten

Es wird wärmer, die Impfzahlen steigen (vielleicht ja auch schon in Ihrem Kollegium), und neben der Müdigkeit und Erschöpfung in vielen Schulen ist doch auch so etwas wie zaghafte Erleichterung zu spüren: Zumindest diesen Coronawinter haben wir überstanden.

Jetzt geht es darum, sich irgendwie bis zu den Sommerferien zu retten. Prompt drehen sich die Diskussionen nicht mehr ums richtige Lüften, sondern darum, ob es sich draußen nicht generell besser lernt als im Klassenzimmer – das wäre aus Sicht mancher Ministerien ja ganz praktisch, denn dann hätte sich die lästige Luftreiniger-Debatte gewissermaßen von selbst erledigt.

Ansonsten vermitteln die Fachministerinnen und -minister derzeit nicht unbedingt den Eindruck, schon genau zu wissen, mit welchen Konzepten sie dann im Spätsommer ins nächste Schuljahr gehen wollen. Lieber belobigen sie sich selbst für die nun in vielen Ländern angelaufenen Abitur- und sonstigen Abschlussprüfungen. Die vermitteln fast schon so etwas wie ein Gefühl von Normalität – inklusive der einen oder anderen Panne: Sommerzeit ist nicht gleich Winterzeit (»Das ist los«).

Eine Lehre immerhin lässt sich aus Corona bereits ziehen: Das Thema Medien- und Nachrichtenkompetenz hat eine so große gesellschaftliche Bedeutung, dass es auch in den Schulen eine stärkere Rolle als bisher spielen sollte. Einzelheiten dazu haben Forscherinnen und Forscher in einer neuen Studie ermittelt, an der auch der SPIEGEL beteiligt war (»Gut zu wissen«).

Wir hoffen, Sie finden auch in dieser »Kleinen Pause« Wissens- und Lesenswertes rund ums Lernen und die Schulen. Wenn Sie Ideen für uns haben, schreiben Sie uns gern!

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Das Team von »Kleine Pause«

Silke Fokken, Kristin Haug, Armin Himmelrath, Miriam Olbrisch

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Das ist los

1. Was wissen wir eigentlich?

Die höchsten Inzidenzen – Corona-Infektionen pro 100.000 Einwohner in den vorangegangenen sieben Tagen – gibt es aktuell in der Altersgruppe der 5- bis 25-Jährigen. Das ist einerseits beunruhigend, andererseits aber auch erklärbar: Die Impfungen bei älteren Menschen wirken, die Schulen bieten nach den Osterferien, je nach Bundesland und regionaler Lage, wieder mehr oder weniger intensive Präsenzformate an – und die regelmäßigen Tests bei Schulkindern verstärken diesen Effekt möglicherweise noch.

Bildungsjournalist Jan-Martin Wiarda deutet die gestiegenen Zahlen anders und interpretiert das Geschehen in seinem Blog so: »Obwohl die Bildungseinrichtungen sicherer werden, steigen die offiziellen Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen.« Klar ist nur: Auch mehr als ein Jahr nach Beginn der Coronakrise gibt es noch immer keine wirklich solide Datenbasis – Schulen und alle anderen, die darauf angewiesen wären, müssen sich weiter durchwurschteln.

In anderen Bereichen dagegen sind die Zahlen klarer: Die Zahl der befristeten Stellen für Lehrerinnen und Lehrer ist in der Pandemie gestiegen, melden unter anderem die Kolleginnen und Kollegen der »Zeit« mit Blick auf die Situation in Hessen. Dort waren im vergangenen Oktober 11 Prozent der Lehrkräfte mit einem befristeten Arbeitsvertrag eingesetzt. Die GEW vermutet, dass es sich bei den Betroffenen vor allem um nicht oder nicht voll ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer handelt – alle anderen würden nämlich in aller Regel mit Kusshand in den Schuldienst übernommen.

2. Organisationsfragen

Auch wenn die klare schulpolitische Linie in Sachen Corona fehlt (oder vielleicht das Fehlen dieser Klarheit die aktuelle Konstante ist): Die Schulen müssen weiter funktionieren. Etwa dann, wenn es um die Abschlussprüfungen geht. Für die gilt in aller Regel, dass sich die Prüflinge vor der Klausur oder der mündlichen Prüfung testen lassen müssen. Wenn sie diesen Test verweigern, schreiben sie die Prüfung in einem separaten Raum – ganz ausgeschlossen werden können sie nicht. Dazu gab es in der vergangenen Woche eine Eilentscheidung in NRW.

Und nach den Sommerferien? Wird dann alles besser, weil bald ja möglicherweise ein Impfstoff auch für Kinder und Jugendliche zur Verfügung steht? Die schulpraktischen und bildungspolitischen Herausforderungen bleiben jedenfalls enorm, schreibt meine Kollegin Silke Fokken in ihrer Analyse, die Sie hier finden.

3. Und sonst noch?

Kein Abi-Jahrgang ohne Pannen: Im nordrhein-westfälischen Wetter ist das Schulleben an einem Gymnasium – womöglich durch die Pandemie – so aus dem Takt geraten, dass die Uhr im Prüfungsraum für die Englisch-Abiturienten und -Abiturientinnen noch Winterzeit zeigte. Zum Ende der Klausur führte das zu Durcheinander, Zeitnot, Protesten – und einem Nachschreibe-Termin für alle, die das möchten.

Für eine der Pannen im vergangenen Abitur-Jahrgang waren wohl Schüler verantwortlich: Sie standen am Montag in Bamberg vor Gericht, weil sie den Generalschlüssel der Schule gefälscht und einen Tresor aufgebrochen hatten, um die Prüfungsaufgaben zu klauen. Landesweit mussten die Prüfungen daraufhin ausgetauscht werden. Einzelheiten zum Gerichtsverfahren gegen die mutmaßlichen Täter finden Sie hier. Das Verfahren endete mit Haftstrafen, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Und wenn Sie noch ein bisschen schmunzeln möchten, empfehlen wir Ihnen diesen Tweet hier: eine pointierte und stellenweise auch ziemlich böse Zusammenfassung typischer Reaktionen auf einen fiktiven Brand in einer Schule. Parallelen zur Coronapolitik sind nicht auszuschließen.

Und sonst noch?

Ein Gymnasium in Mönchengladbach ruft die Polizei, weil ein Schüler sich geweigert hat, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen und einen Corona-Schnelltest zu machen.

In Niedersachsen haben die Abiturprüfungen begonnen, Abiturienten müssen sich in dieser Zeit nicht testen lassen, Lehrkräfte hingegen schon. Weigern sie sich, drohen ihnen Disziplinarmaßnahmen.

In Rheinland-Pfalz wehren sich Lehrer dagegen, Schüler beim Testen zu beaufsichtigen, weil sie um ihre Gesundheit fürchten.

Ein Arzt des Impfzentrums in Neuss bestellte Lehrer zum Impfen ein, offenbar weil Vakzinen zu verfallen drohten. Eigentlich waren die Lehrer noch nicht an der Reihe. Nun muss der Arzt sich rechtfertigen.

In Sachsen wiederum sollen sich alle Lehrkräfte impfen lassen können. Ab sofort können sich alle Lehrerinnen und Lehrer zum Impfen anmelden.

Gut zu wissen

In Ihrer Klasse ist das hoffentlich ganz anders, aber: Eine neue Studie hat erschreckende Zahlen zur Informations- und Nachrichtenkompetenz von Schülerinnen und Schülern ergeben. Die Hälfte der Jugendlichen findet es demnach unwichtig, sich über aktuelle Ereignisse zu informieren. Begründung unter anderem: Den Befragten fehlte in journalistischen Medien oft die Verbindung zum eigenen Alltag.

Daraus sollten wir Journalistinnen und Journalisten Konsequenzen ziehen, die Schulen und die Schulpolitik aber hoffentlich auch.

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