Mein Freund, der Sitznachbar

Wo soll geimpft werden? Wer muss in Quarantäne? Und wer quatscht da schon wieder so lange auf der Schulbank – neue Freunde? Unser Bildungsnewsletter.

Jetzt ist der Sommer langsam wirklich vorbei, in Hamburg fühlt es sich zumindest schon so richtig nach Herbst an. Und über Schulen und Unterricht, über Impfungen und Quarantäne ist schon wieder ein hitziger Streit zwischen Politik, Bildungsverbänden, Eltern und Schülern entstanden. (»Das ist los«)

Welches Bundesland in der Bildung punktet und was Sitznachbarn mit Quarantäne und mit Freundschaften zu tun haben (»Gut zu wissen«), lesen Sie in unserem Newsletter.

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Das Team von »Kleine Pause«
Susmita Arp, Silke Fokken, Kristin Haug, Armin Himmelrath

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Das ist los

1. Soll an Schulen geimpft werden?

Nach der Empfehlung der Ständigen Impfkommission, Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren zu impfen, bereiten sich einzelne Bundesländer darauf vor, Angebote auch an Schulen zu machen. So fahren in Schleswig-Holstein mobile Impfteams herum.

Die einen finden das praktisch, um so schnell wie möglich so viele Menschen wie möglich zu immunisieren. Die anderen befürchten, dass Schülerinnen und Schüler unter Druck gesetzt werden. Aus dem bayerischen Kultusministerium heißt es etwa, eine Impfung sei eine individuelle Entscheidung und keine Voraussetzung für den Schulbesuch.

Und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sagt: Kinder müssten sich freiwillig für eine Impfung entscheiden. »Ob dies einzulösen ist, wenn die Impfung in Impfmobilen vor der Schule erfolgt, halten wir für fraglich«, sagte der Bundesvorsitzende Udo Beckmann dem SPIEGEL.

Dario Schramm, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, findet es gut, dass in Schulen geimpft werden soll. »Es ist jetzt wichtig, Impfangebote an den Orten zu geben, an denen junge Menschen sind«, sagte er dem SPIEGEL. Der Bundeselternrat und der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, haben sich ebenfalls dafür ausgesprochen. Die Impfungen sollten allerdings außerhalb des Unterrichts stattfinden.

2. Wer muss in Quarantäne?

Ein Klassenkamerad oder eine Klassenkameradin wird positiv auf Corona getestet. Was nun? In Nordrhein-Westfalen werden nur die Sitznachbarn in Quarantäne geschickt sowie Personen, die in unmittelbarem Kontakt zu Betroffenen standen. Wer genau nach Hause gehen und dort bleiben muss, entscheiden in den meisten Fällen die Gesundheitsämter – je nachdem, wie gut die Hygienemaßnahmen eingehalten wurden und wie viele Schulangehörige bereits geimpft sind.

Die »Initiative Familie« hält den Kurs von NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) für richtig. Heike Riedmann, Mitglied der Initiative, sagt, Kinder sollten so viel Präsenzunterricht wie möglich erhalten. »Quarantäne ist Freiheitsentzug und bedeutet besonders für Familien in beengten Verhältnissen enorm viel Stress.« Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Nordrhein-Westfalen, Ayla Çelik, hält dagegen: Quarantänen sollten für die ganze Klasse gelten. »Kinder und Jugendliche sitzen nicht den ganzen Tag auf ihrem Sitzplatz, auch Aerosole bleiben nicht dort.«

3. Sachsen vorn, Bremen hinten

Das Ranking des Bildungsmonitors der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ist da. Demnach liegt Sachsen wieder auf Platz des Bundesländervergleichs. Sachsen wird unter anderem gelobt für die hohe Ganztagesquote sowie die guten Kenntnisse der Schülerinnen und Schüler in Mathe und Naturwissenschaften. Bremen schneidet beim Bildungsmonitor am schlechtesten ab. Hier erreichen die Schülerinnen und Schüler in den Kompetenztests schlechte Ergebnisse. Ausländische Schülerinnen und Schüler schaffen vergleichsweise selten das Abitur und verlassen vergleichsweise häufig die Schule ohne Abschluss. Und der Anteil der Ganztagsschülerinnen und -schüler liegt in Kindergarten, Grundschule und Sekundarstufe 1 unter dem Bundesdurchschnitt.

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Und sonst noch?

In Großbritannien setzen die Topnoten an Privatschulen den Bildungsminister unter Druck. Die Rekordzahl an Bestnoten im Abitur offenbart eine Kluft zwischen privaten und staatlichen Schulen. Das sorgt für Kritik.

In Florida sorgte der Gouverneur für eine Kontroverse: Er will Schulen, die auf Masken bestehen, die Mittel kürzen. Masken im Unterricht hält er für überflüssig – bestehen Schulen auf den Mund-Nasen-Schutz, soll es weniger Geld geben.

Noch genießen manche die Sommerferien. Andere müssen wieder pünktlich aufstehen, und zwar ganz schön früh am Morgen. Warum eigentlich? Der Forscher Knud Andresen hat unserem Kollegen erklärt, wieso in Werbeagenturen so spät mit der Arbeit begonnen wird, auf Baustellen und in Schulen hingegen so früh. Ein Interview über die (Er-)Findung der Arbeitszeit.

Gut zu wissen

Wenn das neue Schuljahr beginnt, fragen sich Schülerinnen und Schüler zumeist: Wer sitzt eigentlich wo im Klassenraum? Das ist keinesfalls folgenlos, wie eine neue Studie zeigt. Schülerinnen und Schüler, die nebeneinandersitzen, freunden sich meist auch miteinander an, sogar wenn sie eigentlich ganz unterschiedlich sind. Das hat die Studie ergeben, die unter Beteiligung der Universität Leipzig entstanden ist und in der Fachzeitschrift »Plos One« veröffentlicht wurde.

Lehrerinnen und Lehrer können also Einfluss darauf nehmen, wer sich anfreundet, indem sie etwa Schülerinnen und Schüler nebeneinander platzieren, sagt die Psychologin Julia Rohrer von der Universität Leipzig, eine der Studienautorinnen. »Lehrer können in Schulklassen auf simple Art und Weise eingreifen und so ein diverseres Freundschaftsnetzwerk schaffen, von dem gerade benachteiligte Schüler profitieren könnten.«

Es dürfe dabei keinen Zwang geben, sagt Gisela Steins, Psychologie-Professorin an der Universität Duisburg-Essen. »Im Klassenraum sind die Kinder ohnehin auf engstem Raum zusammengepfercht, da sollten sie nicht auch noch neben jemandem sitzen, den sie nicht mögen.« Lehrerpräsident Heinz-Peter Meidinger sagt, es gebe einen besseren Weg: rotieren. So hätten die Schüler Chancen, sich gegenseitig kennenzulernen und ein besseres Gruppengefühl zu entwickeln. Auch Außenseiter-Positionen würden seltener.

Die gute Nachricht zum Schluss

Die Hamburger Schulbehörde hat mehr als 21.000 mobile Luftreinigungsgeräte im Wert von mehr als 21 Millionen Euro bei verschiedenen Herstellern für die Unterrichtsräume der staatlichen Hamburger Schulen bestellt. Hamburg sei bislang das einzige Bundesland, das flächendeckend alle Klassenräume und einen großen Teil der weiteren Unterrichtsräume mit mobilen Luftfiltergeräten bestücke, feierte sich Schulsenator Ties Rabe (SPD).

Am 7. September kommt der nächste Newsletter.

Ideen, Anregungen, Feedback? Wir freuen uns über Post an kleinepause@newsletter.spiegel.de

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