Das Prinzip Hoffnung

In einigen Bundesländern hat der Unterricht wieder begonnen. Sind die Schulen auf eine vierte Coronawelle vorbereitet? Und wie kann der Präsenzunterricht auf lange Sicht ermöglicht werden? 

Noch ist ja alles nicht so schlimm. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz liegt im unteren zweistelligen Bereich, die Intensivstationen sind nicht übermäßig belegt. Die meisten Schülerinnen und Schüler sind noch im Ferienmodus, nur in Berlin, Brandenburg, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern hat der Unterricht bereits wieder begonnen.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident und CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet kündigte an, nach den Ferien sollte überall Präsenzunterricht stattfinden. »Wir können den Kindern und auch den Eltern keine weitere Zeit mit Homeschooling und Distanzunterricht zumuten.«

Auch die Kultusministerkonferenz blickt noch recht optimistisch auf das neue Schuljahr und hofft auf regelmäßigen Präsenzunterricht. Die Bildungsverbände hingegen ahnen oder fürchten bereits, was die Schulen im Herbst wirklich erwartet. (»Das ist los«)

Wer das Gefühl hat, nicht dazuzugehören, hat oft Angst, in die Schule zu gehen. So geht es zumindest häufig Hochbegabten. Wie ihnen geholfen werden kann, weiß der Psychologe Sebastian Renger. (»Gut zu wissen«).

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Das ist los

1. Kritik an der Kultusministerkonferenz

Die Kultusminister und Kultusministerinnen der Länder sehen die Schulen gut auf das neue Schuljahr vorbereitet. Die Konzepte zum Infektionsschutz seien »deutlich ausgebaut« worden. Schulen seien »auch in Zeiten der Pandemie sichere Orte«. Daher solle und könne Schule im Präsenzunterricht stattfinden, heißt es in einem aktuellen Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK).

Mehrere Bildungsverbände werfen der KMK allerdings vor, die Pandemie nicht ernst genug zu nehmen. Heinz-Peter Meidinger, Präsident des deutschen Lehrerverbandes, sagte dem »Tagesspiegel«, die Länder hätten es erneut versäumt, sich auf verschiedene Pandemieszenarien einzurichten. »Wir warnen davor, jetzt an den Schulen unvorsichtig zu werden und die Kontrolle über das Infektionsgeschehen in der vierten Welle völlig aus der Hand zu geben.«

Auch Udo Beckmann, Chef des Verbandes Bildung und Erziehung, sagt, der Schulstart sei nicht umfassend vorbereitet worden. Die Sieben-Tage-Inzidenz wachse schneller und früher als voriges Jahr und dies vor allem bei den 10- bis 34-Jährigen. »Wir vermissen weiterhin unterschiedliche Szenarien, die klar beschreiben, was die KMK bei welcher Pandemieentwicklung zu tun gedenkt. Weiterhin auf das Prinzip Hoffnung zu setzen, reicht nicht aus«, sagte Beckmann. Schulen seien noch nicht ausreichend mit Luftfiltern ausgestattet worden, es gebe keine zweiwöchige Sicherheitsphase mit zwei verpflichtenden Tests in der Woche, Maskenpflicht und Abstandhalten. Zudem gebe es immer noch Probleme bei der Digitalisierung. »Es ist ganz klar, dass sich niemand derzeit hinstellen und einen durchgängigen und normalen Schulbetrieb versprechen kann, ohne sich die Finger zu verbrennen.«

2. Corona-Impfungen als Voraussetzung für den Präsenzunterricht?

Die Ständige Impfkommission hat bislang noch keine generelle Empfehlung dafür abgegeben, Kinder ab zwölf Jahren gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Aber inzwischen ist die Frage aufgekommen, ob in Zukunft nur noch diejenigen Kinder und Jugendlichen am Präsenzunterricht teilnehmen dürfen, die geimpft sind.

Der Bundeselternrat hat dazu eine klare eine Meinung: Die Regierung sollte eine Impfung gegen das Coronavirus nicht zur Voraussetzung für das Lernen in der Schule machen, sagte Vorstandsmitglied Ines Weber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Viele Eltern stünden dem Impfangebot sehr skeptisch gegenüber. Noch fehlten Studien zur Verträglichkeit und den Langzeitwirkungen der Impfungen bei Kindern und Jugendlichen. Eltern fühlten sich allerdings zunehmend unter Druck gesetzt, ihre Kinder impfen zu lassen, damit sie in die Schule gehen dürfen.

Nordrhein-Westfalen hat sich zu dieser Frage bereits klar positioniert. In dem Bundesland wird die Impfung keine Voraussetzung für den Präsenzunterricht sein. Umgekehrt gelte auch: Wer nachweislich durchgeimpft oder bereits vom Coronavirus genesen sei, brauche nicht mehr an den zwei wöchentlichen Coronatests teilzunehmen, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP).

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Und sonst noch?

In Bayern haben mehrere AfD-Landtagsabgeordnete einen Eilantrag gegen den geplanten Islamunterricht eingereicht. Mit der Popularklage soll verhindert werden, dass sich muslimische Schülerinnen und Schüler ab dem neuen Schuljahr für das Wahlpflichtfach »Islamischer Unterricht« entscheiden können. Dies sollte als Alternative zum Fach Ethik angeboten werden.

In Baden-Württemberg hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) den Ärger vieler Lehrerinnen und Lehrer auf sich gezogen. Mit dem Satz »Viel hilft nicht viel«, sagte der Ministerpräsident, es spiele keine Rolle wie viele Lehrkräfte es gebe, es komme auf die Qualität an. Es müssten die Lehrerfortbildung und die Qualitätssicherung verbessert werden. Bildungsverbände sprachen von einer »unterkomplexen Ansicht von Herrn Kretschmann«. Gerhard Brand, der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) spottete: »Herr Kretschmann ist in der Lehrerbedarfsplanung so gut wie ein Ziegelstein im Schwimmen.«

In Mecklenburg-Vorpommern wollen sich nur wenige Jugendliche an den Schulen gegen das Coronavirus impfen lassen, wie eine landesweite Befragung ergab. Die Impfbereitschaft der Schülerinnen und Schüler liegt demnach bei sechs Prozent.

Gut zu wissen

Herausragend kluge Kinder kommen nicht automatisch gut durch die Schulzeit. Woran liegt das? Und was sollten Lehrerinnen und Lehrer tun? Sebastian Renger forscht zu besonders Begabten – und hat Antworten. Das Interview mit dem wissenschaftlichen Leiter des Deutschen Zentrums für Begabungsforschung und -förderung finden Sie hier.

Die gute Nachricht zum Schluss

In Berlin wird die Schulsozialarbeit ausgebaut. Jede öffentliche Berliner Schule soll von nun an die Hilfe mindestens einer Schulsozialarbeiterin oder eines Schulsozialarbeiters in Anspruch nehmen können. Zudem sollen in der Hauptstadt die Herkunftssprachen der Schülerinnen und Schüler gestärkt werden. An ausgewählten Schulen gibt es nun neben Fächern wie Türkisch, Arabisch und Kurdisch auch Polnisch, Russisch und Vietnamesisch.

Ideen, Anregungen, Feedback? Wir freuen uns über Post an kleinepause@newsletter.spiegel.de.

 

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