Das ist keine Schulschließung, das sind Weihnachtsferien

Im vierten Coronahalbjahr sollte man alte Gewohnheiten ja nicht schleifen lassen. Wir schauen in dieser Ausgabe unter anderem auf die unterschiedlichen Maßnahmen in den Bundesländern.

Fast alles ist erlaubt – es darf bloß nicht Lockdown heißen. Treffender kann man die Situation an den Schulen in einer Überschrift wohl kaum zusammenfassen, verzeihen Sie uns also dieses kleine Eigenlob. Sind die Schulen sicher, ja oder nein? Sollen die Ferien verlängert oder vorgezogen werden, ja oder nein? Die Meinungen dazu liegen auch innerhalb der politischen Lager mitunter weit auseinander, und die Regelungen unterscheiden sich natürlich von Bundesland zu Bundesland. Im vierten Coronahalbjahr sollte man alte Gewohnheiten ja nicht schleifen lassen.

Während eine Lehrkraft in Sachsen uns von ihrer Sorge berichtet, bei Inzidenzen zeitweise über 2000 weiter zu unterrichten, haben sich Brandenburg und Sachsen-Anhalt für vorgezogene Weihnachtsferien entschieden. In Niedersachsen und Baden-Württemberg wird die Verantwortung hingegen auf die Eltern abgewälzt. Sie dürfen oder müssen selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder ein paar Tage vor dem Fest aus der Schule nehmen. Die Lehrergewerkschaft VBE bezeichnete die jetzt beschlossene Lösung als »die schlechteste aller Möglichkeiten«. Nun kommen laut dem Landesvorsitzenden Franz-Josef Meyer, »wie im vergangenen Jahr kurz vor Weihnachten, wieder Chaostage mit halben Klassen und nicht planbarem Unterricht auf die Schulen zu«. (»Debatte der Woche«)

Impfungen würden helfen, die Schulen offenzuhalten, auch bei den Kleineren, merkt die neue Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) angesichts des Impfstarts für alle Kinder ab fünf Jahren gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe an. Allerdings werden die Eltern auch hier wieder mit der Entscheidung allein gelassen, da die Stiko bisher nur Impfungen für Kinder mit Vorerkrankungen empfiehlt. Und selbstverständlich unterscheiden sich die Möglichkeiten zum Impfen von Bundesland zu Bundesland. Während die meisten Länder vorrangig auf die Hausärzte setzen und nur vereinzelt auf Kinderimpfzentren, plant Berlin auch Impfaktionen an Grundschulen. (»Das ist los«)

Offenhalten ist übrigens auch das richtige Stichwort für die Fenster im Klassenraum: Eine Studie der Hochschule München zeigt, dass in den Schulen zu wenig gelüftet wird. (»Gut zu wissen«)

Dies ist der letzte »Kleine Pause«-Newsletter in diesem Jahr. Am 11. Januar melden wir uns wieder. Wir wünschen Ihnen alles Gute für den Jahresendspurt. Und ob vorgezogen oder nicht, genießen Sie Ihre Weihnachtsferien und kommen Sie gesund und gut erholt ins neue Jahr.

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Das ist los

1. Impfungen für Kinder

Aus Sicht von Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) leisten die Impfungen einen wichtigen Beitrag, um den Präsenzunterricht zu sichern, wie sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe sagte. Bisher empfiehlt die Stiko sie allerdings nur für Kinder mit Vorerkrankungen. Hier erfahren Sie, wie die Impfungen in den einzelnen Bundesländern organisiert werden. Und Eltern, die noch Hilfe bei der Entscheidung für oder gegen das Impfen suchen, empfehlen wir diesen Text.

2. Pandemie in der 5c

»Sachen auspacken, Hände waschen!«: So beginnt der Tag in der Klasse 5c. Sie hat dafür extra einen Kanister Wasser über einen alten Joghurt-Eimer aufgebaut. Die »Zeit« begleitet die Schülerinnen und Schüler aus Berlin in einer minutiös bebilderten Reportage durch die erste Schulstunde und zeigt, wie die Coronapandemie den Alltag verändert hat.

3. Und sonst so?

Erneut illegale Schule geschlossen

Über mutmaßliche »Querdenker«-Schulen wurden schon in Rosenheim und Erlangen berichtet. Einen ähnlichen Fall scheint es nun in Unterfranken zu geben: Im Kreis Miltenberg hat die Polizei ein Gebäude durchsucht, in dem Kinder wohl illegal unterrichtet wurden, berichtet der Bayerische Rundfunk.

Maskenverweigernder Lehrerin droht Verlust des Beamtenstatus

Sie wollte keine Maske im Unterricht tragen und blieb deshalb dem Dienst fern: Das Verwaltungsgericht München hat entschieden, dass eine Lehrerin aus Landsberg deshalb nun ihren Beamtenstatus verliert, berichtet ebenfalls der Bayerische Rundfunk. Die Frau kann aber noch in Berufung gehen.

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Gut zu wissen

In deutschen Klassenzimmern werde trotz der Coronapandemie zu wenig gelüftet. Das zeigen erste Daten aus der Studie »Sicheres Klassenzimmer« der Hochschule München. In dieser wurden 233 Klassenzimmer in 52 Schulen im Großraum München und in Mainz untersucht, für das Zwischenergebnis konnten über 7000 Unterrichtstage ausgewertet werden. Den Empfehlungen zufolge sollte regelmäßig alle 20 Minuten gelüftet werden – doch der Anteil der Klassenzimmer, bei denen das der Fall war, lag bei unter acht Prozent, teilte die Hochschule am Donnerstag mit.

Die Ansteckungsgefahr mit Corona steigt der Studie zufolge durch eine erhöhte CO2-Konzentration, die durch Lüften gesenkt werden kann. In den meisten Klassenzimmern werde aber in der Regel nur nach jeder Unterrichtsstunde oder lediglich während der Pausen gelüftet.

Die Studienmacher verglichen zudem den Erfolg verschiedener Lüftungskonzepte: Ob klassisch das Fenster aufgemacht werde, mobile Lüftungsanlagen oder fest installierte raumlufttechnische Anlagen genutzt werden, mache erhebliche Unterschiede.

Zahl der Woche

159.600.000.000

Die öffentlichen Bildungsausgaben in Deutschland sind im vergangenen Jahr erneut gestiegen auf knapp 160 Milliarden Euro, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Knapp die Hälfte davon floss übrigens in die Schulen. »Auch im Bildungswesen war das Jahr 2020 stark von der Coronapandemie geprägt«, erklärten die Statistiker. Unter anderem hätten Digitalisierung, Hygienekonzepte und zusätzliche Betreuungsangebote höhere Kosten verursacht.

Debatte der Woche

Die Schulen müssen offenbleiben – oder?

Ein Klassenzimmer voller Maskenverweigerer und Impfgegner, und das bei Inzidenzen über 2000: Eine Lehrerin aus dem Erzgebirgskreis hat dem SPIEGEL von ihrem Kampf gegen den »YouTube-Unfug« erzählt, dem viele ihrer Schülerinnen und Schüler aufsitzen – und von ihrer Angst. Eigentlich sei sie dafür, die Schulen unbedingt offenzuhalten. Zu groß sind die Lernlücken, aber auch die sozialen Folgen. Doch ob das gelingt? »Jeden Tag begleiten bange Fragen. Darf ich morgen wiederkommen? Oder erwischt es diesmal auch mich?«

Distanzunterricht für alle lehnt die Kultusministerkonferenz erneut ab. Einzelne Länder haben jedoch längst schärfere Maßnahmen beschlossen. Wer macht was – und warum? Wir haben es hier für Sie zusammengefasst.

Und im kommenden Jahr? Der Deutsche Lehrerverband warnte bereits, angesichts der drohenden Ausbreitung der Omikron-Variante seien erneut massive Beeinträchtigungen für die Schulen möglich.

Wie bewerten Sie die aktuelle Corona-Schulpolitik, und wie blicken Sie auf das bald startende fünfte Corona-Halbjahr? Schreiben Sie uns an bildung@spiegel.de

Die gute Nachricht zum Schluss

Die Bundesländer haben sich nach zwei Jahren Streit auf neue Sommerferientermine geeinigt. Nach Baden-Württemberg und Bayern haben sich nun auch Hamburg und Berlin ein Privileg für ihre Schulen erstritten: Die Sommerferien beginnen dort ab 2025 stets im Juli. Für die Küstenkinder gibt es aus wirtschaftlichen Gründen weiterhin größere Schwankungen bei der Ferienplanung.

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